Programm

Kommende Veranstaltungen

Donnerstag, 08. November 2018

It´s always the sun” oder wie ein Stein die Runde macht
Vortrag von Christian Brückner

“La Piedra del Sol” oder “Aztekischer Kalenderstein” wird der tonnenschwere Monolith genannt, der 1790 bei Bauarbeiten in Mexiko-Stadt entdeckt wurde. Als ein imposanter Beweis aztekischer Steinmetzkunst mit einer hoch komplexen Ikonographie bietet der Stein Einblicke in die religiös-kosmologischen Vorstellungen aus vorspanischer Zeit. Doch auch die Zweitverwendung als archäologisches Objekt ist beeindruckend: Das Artefakt geriet – nicht zuletzt durch Alexander von Humboldt – zum Paradebeispiel einer amerikanischen Antike in Analogie zum griechisch-römischen Altertum.

Mittlerweile wird diese Kulturikone millionenfach kopiert und abgebildet. Neben der touristischen Verramschung ist der Stein auch ansonsten überall präsent: etwa auf Singlecovern oder Plakaten der Karl-May-Festspiele. Bedenklich ist der falsche Bezug zu den klassischen Maya bzw. “dem Maya-Kalender” auf zahllosen Internetseiten. Im Vortrag werden Nutzung und archäologische Geschichte des Steins erläutert sowie seine heutige mediale Bedeutung diskutiert.

Zeit und Ort: Beginn 18 Uhr c.t., Vortragsraum 154, Staats- und Universitätsibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Von-Melle-Park 3

Foto: La Piedra del Sol, Museo Nacional de Antropología e Historia, Mexiko-Stadt

Donnerstag, 29. November 2018

Die beseelten Kreuze von Yukatan: Historische und heutige Kreuzschreine der Cruzoob-Maya
Vortrag von Dr. Armin Hinz

Nachdem sich die mayasprachige Landbevölkerung 1847 zunächst erfolgreich gegen die städtischen weißen Eliten erhoben hatte, mussten sich die Aufständischen drei Jahre später in den bewaldeten Osten der mexikanischen Halbinsel Yukatan zurückziehen. Dort entstand ein Kult, um ein als beseelt geltendes Kreuz, welches seiner Anhängerschaft Freiheit von Unterdrückung versprach.
Allerdings regierten auch die religiösen und militärischen Amtsinhaber ihre Kreuzkultgemeinschaft autoritär. Die Kreuzidee zeigte sich aber als so wirkungsvoll, dass Krisen immer wieder überwunden wurden. Deshalb konnten sich die so genannten Cruzoob-Maya bis 1901 die politische Unabhängigkeit von Mexiko erhalten.

Es erschienen sogar weitere Kreuze, die eigene Schreine erhielten. Heute weisen fünf miteinander befreundete Schreine eine Anhängerschaft von zusammen mehreren tausend Menschen in über einem Dutzend Ortschaften auf. Im Vortrag wird die Geschichte der Kreuzkulte und die Lebensweise der Cruzoob-Maya im Hinterland der heutigen Tourismusgebiete an der Karibikküste behandelt. Über die Übersicht hinaus wird der Besuch 2016 eines im Wald versunkenen Kreuzschreins geschildert und dessen – erstmals dokumentierte – Bedeutung für das Überleben der Kreuzkult-Idee nach der militärischen Niederlage der Aufständischen 1901 diskutiert.

Zeit und Ort: Beginn 18 Uhr c.t., Vortragsraum 154, Staats- und Universitätsibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Von-Melle-Park 3

Foto: Gemeinschaftsunterkunft im Kreuzschrein Tixcacal Guardia

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Die Amerikas in der Lübecker Völkerkundesammlung
Vortrag von Dr. Lars Frühsorge

Die Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck gilt als das älteste bürgerliche Ethnologiemuseum Deutschlands. Ähnlich wie Hamburg knüpfte auch Lübeck bereits im frühen 19. Jahrhundert vielfältige Handelsbeziehungen mit Lateinamerika. Kaufleute, aber auch Missionare oder erste Touristinnen, brachten in der Folgezeit archäologische und ethnographische Objekte in ihre Heimatstadt, was schließlich zur Gründung eines eigenen Museums führte. Heute präsentierten sich die Amerikabestände mit rund 5.500 Objekten als eine eher kleine Sammlung, die sich aber durch ihre thematische Breite und zeitliche Tiefe auszeichnet.

Der neue Direktor des Museums Dr. Lars Frühsorge stellt in seinem Vortrag diese mehrheitlich noch niemals gezeigten Bestände vor und lotet ihr Potenzial für zukünftige Forschungen aus. Er geht dabei auch auf aktuelle museologische Fragen ein, etwa nach dem Umgang mit sakralen Objekten und menschlichen Überresten oder nach der Relevanz dieser Bestände für die Kolonialismusdebatte.

Zeit und Ort: Beginn 18 Uhr c.t., Vortragsraum 154, Staats- und Universitätsibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Von-Melle-Park 3

Foto: Sitzende weibliche Figur (c) Völkerkundemuseum der Hansestadt Lübeck

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