1521-1821-2021

Transiciones históricas y retos actuales en México y Centroamérica

Historical developments and current challenges in Mexico and Central America

Historische Umbrüche und gegenwärtige Entwicklungen in Mexiko und Mittelamerika

Programm / Programa / Program (–> PDF)

(A los resúmenes: desplácese hacia abajo / for abstracts, please scroll down /zu den Abstracts bitte heruntersrcollen)

Moderación/Leitung/Chair: Christian Brückner, Claudia Chavez de Lederbogen; Support: Cristina Bredt, Gerrit Höllmann

10:00 

Begrüßung / Bienvenida / Welcome

10:30 

Dieter Friedrichs (Lüneburg) : Faktizität und Geltung – Kulturgeschichtliche Betrachtungen über das „Schweigen der Götter“ in der Conquista von Mexico-Tenochtitlan

11:15   

Harald Gropp (Heidelberg) : Missionare oder Heilige? 

12:00    

Pausa / Break / Pause

12:15  

Christian Brückner (Hamburg) : Gravierende Ansichten. Bernard Picart, José Ximeno und die Druckgraphiken des Templo Mayor im 18. Jh.

13:00 

Stefan Heep (Köln) : Topiltzin Quetzalcoatl im Wandel der oralen Tradition von Morelos   

13:45  

Pausa / Break / Pause

15:00

Osiris Sinuhé González Romero (Leiden) : Decolonizing psychedelics in Mexico. The paradoxes of the War on Drugs


15:45

Emil Becerril (México D.F.) : Mesoamérica. Imaginarios energéticos y políticas del despojo

16:30  

Pausa / Break / Pause

16:45  

Gilberto Rescher (Hamburg) : Política y desigualdad. La relevancia del subsuelo político para grupos socialmente minoritarizados

17:30

Harry Thomaß (Berlin) :Lacandon Sprachaufnahmen aus den 1980er Jahren. Über die Versuche mit Muttersprachler*innen virtuell zusammenzuarbeiten.

18:15

Pausa / Break / Pause

18:30

Antje Gunsenheimer (Bonn) : 2021 – Das Jahr der Feste in Mexiko – für wen? 

19:15 – 21:15 

Mesa redonda e intercambio con representantes de diferentes regiones de Mesoamérica 

Panel discussion and exchange  with representatives from different regions of Mesoamerica (in Spanish).

Podiumsdiskussion und Austausch mit Vertreter*innen aus verschiedenen Regionen Mesoamerikas (in spanischer Sprache). 

El evento se lleva a cabo en línea mediante Zoom. Para participar, escriba a: / The event will take place online via Zoom. To participate, please send an email to: / Die Veranstaltung findet online (Zoom) statt. Für eine Teilnahme schreiben Sie bitte an –> info@mesoamerika-gesellschaft.de

Resúmenes / Abstracts / Abstracts (alfabético / alphabetical / alphabetisch)

Emil Becerril (México D.F.): Mesoamérica. Imaginarios energéticos y políticas del despojo

Tras la consolidación de distintas políticas neoliberales durante la década de los noventa, México se tornó en un escenario de inversión energética, controlado por los intereses de las empresas transnacionales. Concretamente, en el 2008 se puso en marcha el Proyecto Mesoamérica, un plan de inversiones destinado a impulsar el desarrollo social, educativo y económico de la región del sureste del país y Centroamérica, con el propósito de combatir la desigualdad y la pobreza. Sin embargo, la construcción de parques eólicos ⎯ principalmente instalados en la región de Istmo de Tehuantepec⎯  reverberó en la esfera pública, promoviendo un discurso de las economías verdes e instaurando un conflicto energético socavado por las demandas del Estado, las empresas privadas y el narcotráfico.

Frente al continuo despojo de territorios y resquebrajamiento de las comunidades indígenas, amenazadas continuamente por una geopolítica corporativa, esta ponencia intenta cuestionar, a partir de diferentes registros artísticos y estéticos, los disímiles procesos de modernización y las retóricas de la sustentabilidad implicados en la producción de una historia energética, acentuada por un sistema de violencia colonial.

Christian Brückner (Hamburg): Gravierende Ansichten. Bernard Picart, José Ximeno und die Druckgraphiken des Templo Mayor im 18. Jahrhundert

Der Beitrag behandelt die druckgraphischen Darstellungen des 1521 zerstörten aztekischen Hauptheiligtums in Tenochtitlan, des Templo Mayor. Im Fokus stehen die Illustration der Historia de la Conquista de México von Antonio de Solís y Rivadeneyra. Das 1684 erschienene und ursprünglich unbebilderte Geschichtswerk über die Eroberung Neuspaniens wurde für die französische Übersetzung 1704 mit einer Abbildung des Kupferstechers und Buchillustrators Bernard Picart versehen. Diese Visualisierung des zentralen Heiligtums der Azteken sollte in den nächsten Jahrzehnten die europäische Wahrnehmung des Bauwerks nachhaltig beeinflussen. Dies gilt auch noch 80 Jahre später für die von José Ximeno gestaltete Neuedition der Historia 1783/84.

Wie zu zeigen sein wird, spielte das von Picart geschaffene Bild des Templo Mayor eine durchaus nicht unbedeutende Rolle als visuelle Argumentationshilfe in den religionspolitischen bzw. -ethischen Diskursen der Zeit.Thematisiert werden die Aspekte Gestaltung, Wahrnehmung und Verbreitung dieser Darstellung, die in der Spätzeit des Vizekönigreichs Neuspanien bis zum Beginn der ersten archäologischen Expeditionen auf dem amerikanischen Kontinent häufig rezipiert wurde.

Dieter Friedrichs (Lüneburg): Faktizität und Geltung – Kulturgeschichtliche Betrachtungen über das „Schweigen der Götter“ in der Conquista von Mexico-Tenochtitlan 

Der Krieg zwischen den Spaniern und den Mexica im 16. Jh. war wesentlich ein Zusammenstoß von gegensätzlichen Kommunikationssystemen und nicht, oder nur vordergründig, das unterschiedliche Verständnis von rituellen Opfermorden und gewinnorientierten Raubmorden. Die mythologisch zu verstehende Identität des aztekischen Ordnungssystems, gekennzeichnet durch kosmologische Geschlossenheit der ständigen Wiederkehr und somit Vorhersagbarkeit im unmittelbaren Zusammenhang mit „Zeichen der Natur“, steht in fundamentalem Gegensatz zur strategischen Funktionalität, Zweckrationalität und utilitären Berechenbarkeit der europäischen Renaissance. Diesem Gegensatz ordnet sich das gesamte Geschehen der Conquista unter, wird aber dann von den Siegern – bis heute – konstruiert.

Diese Geschichte vom Untergang einer exotischen Kultur hat von „Augenzeugen“ über „Mitleidsträger“, Chroniken und christlich gefärbten Codizes bis hin zu populären Phantasiedarstellungen und Schulbuchtexten den Charakter eines Kolossalgemäldes. In meiner Betrachtung werde ich mich konzentrieren auf die m.E. entscheidende Bedeutung des Mythos im Gegensatz zur neuzeitlichen Wissenschaft. Ich werde – mit Gründen – bestreiten, dass Cortes der zügellose Desperado war, als der er gemein oft dargestelllt wird, und ebensowenig Motecuhzoma ein orientierungsloser und wankelmütiger Schwächling; und dass der Azteken-Tlatoani die Spanier nicht mit kostbaren Geschenken von seiner Metropole fernhalten wollte, sondern an einem spirituellen Austausch mit ihnen interessiert war.

Osiris Sinuhé González Romero (Leiden): Decolonizing psychedelics in Mexico. The paradoxes of the War on Drugs 

The aim of this talk is to reflect on the use of psychedelics in Mexico, but from a decolonial approach. Prohibition politics extend their roots until colonial times in Mexico; for instance sacred and therapeutic uses of peyote, sacred mushrooms and ololiuhqui driven by indigenous peoples were condemned by the friars as “diabolic customs”. This stigmatization could be considered as the beginning of the persecution started by the Inquisition but which continues nowadays with the War on Drugs. The first section will be focused on the analysis of the historical sources These works are very meaningful to understand the establishment of colonial regime.

The second section will be focused on the study of the cultural rights of indigenous peoples in the context of the “War on Drugs” launched by the Mexican government at the beginning of the 21th century. This social phenomena reinforces the stigmatization, persecution and the lack of recognition of cultural indigenous rights, moreover the War on Drugs was used as a strategy to dispose the lands and territories of indigenous peoples.

Harald Gropp (Heidelberg): Missionare oder Heilige?

Ende Juni 2020 wurden auch in Kalifornien Statuen gestürzt im Rahmen der Antirassismusaktionen, u.a. die von Junípero Serra, dem „founding father of California“. Dieser wurde von Papst Franziskus im September 2015 heiliggesprochen, kurz nachdem der Papst im Juli 2015 sich in Bolivien entschuldigt hatte für die Verbrechen der Kirche im Rahmen der „conquista“ von Amerika. Wer war Junípero Serra? Der gebürtige Mallorquiner legte die Grundlagen der Mission im spanischen „Alta California“, dem Gebiet des heutigen Bundesstaats Kalifornien. In diesem Vortrag soll die Frage von Menschenwürde und Menschenrechten im Zusammenhang mit Mission von Ureinwohnern in Amerika und in der atlantischen Welt diskutiert werden. Im Jahre 2015 war die Heiligsprechung eines „großen Pioniers der Menschenrechte in den Americas“ sehr umstritten. Befürworter nennen die „Representación“ von Serra (1773) das erste Dokument in der Geschichte der Menschenrechte. Im selben Jahr 1773 wurde den Missionaren vom spanischen Vizekönig vatergleiche Rechte über die Indigenen gegeben, die selbst rechtlos waren. 

Mit einigen historischen Einzelbeispielen soll versucht werden, der Ereignisse von 1521 und 1821 zu gedenken, vor allem, was den „wilden Norden“ von Nueva España betrifft, ein Gebiet, das heute zum Süden der USA gehört. 

Antje Gunsenheimer (Bonn): 2021 – Das Jahr der Feste in Mexiko – für wen?

Die amtierende mexikanische Regierung hat sich in Vorbereitung des denkwürdigen Erinnerungsjahres 2021 offener Probleme vorangehender Präsidentschaften angenommen. Mit dem Titel “Plan de Justicia” sucht sie zum Teil lange schwelende Konflikte zwischen den Land- und Ressourceninteressen indigener Gemeinschaften gegenüber staatlichen und privaten Akteuren zu lösen, während zur gleichen Zeit mit dem tren maya ein enorm ehrgeiziges und von Fremdinteresseren bestimmtes Projekt gegen den Willen der indigenen Anwohner vorangetrieben wird.

Der Beitrag behandelt vor diesem Hintergrund die aktuelle mexikanische Politik gegenüber den indigenen Gemeinschaften anhand verschiedener regionaler Beispiele. Er diskutiert deren Auswirkungen, Rezeption bzw. Ablehnung anhand lokaler Stimmen.

Stefan Heep (Köln): Topiltzin Quetzalcoatl im Wandel der oralen Tradition von Morelos

Die Figur des toltekischen Priesterkönigs Topitzin Quetzalcoatl, Produkt des kolonialzeitlichen Kulturaustausches, lässt sich noch als ein legendenbildendes Muster in der oralen Tradition von Morelos im 20. Jahrhundert nachweisen. Tepozteco, Held der Folklore von Tepoztlán, ist ein Spiegelbild Quetzalcoatls. Die Legenden, die sich um Emiliano Zapata ranken, sind derart von Quetzalcoatl geprägt, dass Zapata seine Reinkarnation gilt. Schließlich gelang es dem Dorf Amatlán, heute ein Vorort Tepoztláns, offiziell als Geburtsort Ce Acatl Topiltzin Quetzalcoatls anerkannt zu werden. Die Entstehung dieser Legenden lässt sich rekonstruieren. Sie speisen sich aus diversen Schriftquellen über Quetzalcoatl, aus archäologischen Funden und deren Interpretation sowie aus Ergebnissen wissenschaftlicher Arbeiten, vor allem von Jiménez Moreno, Alfredo López Austin und Miguel León-Portilla. Damit wird Quetzalcoatl zu einer Leitfigur für die Konstruktion eines mexikanischen, in diesem Fall mestizisch geprägten Nationalbewusstseins.

Gilberto Rescher (Hamburg): Política y desigualdad. La relevancia del subsuelo político para grupos socialmente minoritarizados

N.N.

Harry Thomaß (Berlin) : Lacandon-Sprachaufnahmen aus den 1980er Jahren. Über die Versuche mit Muttersprachler*innen virtuell zusammenzuarbeiten

In den 1980er Jahren hat der Hamburger Altamerikanist Christian Rätsch bei den Lacandonen umfangreiche Sprachaufnahmen erstellt. Diese Aufanhmen sind mittlerweile im Rahmen eines Forschungsprojektes digitalisiert worden. Wie kann nun eine Zusammenarbeit mit Muttersprachler*innen gestaltet werden? Was bedeuten in diesem Zusammenhang die Begriffe Shared Heritage bzw. Shared History? Anhand des konkreten Falles des Sprachmaterials der Lacandonen suche ich nach möglichen Wegen zu einer Zusammenarbeit mit der Herkunftscommunity.